Mittwoch, 3. August 2011

S-Bahn.

S-Bahn. Mir gegenüber sitzt eine junge Frau. 24 Jahre vielleicht. Sie trägt einen komischen, altmodisch geblümten Rock (aber nicht so wie man ihn jetzt im Laden kaufen kann, sondern wirklich alt), der die Knie berührt, alte No-Name Sneakers dazu, rosa-weiße Socken schauen raus. Einen moosgrünen Samtblazer, der zwar altbacken wirkt, aber eigentlich ganz hübsch aussieht. Und ein schwarzes Shirt. Ansich passt alles irgendwie nicht so ganz zusammen und eigentlich sieht sie, ganz hart gesagt, wie ein typischer Charakter aus einem Teeniebuch aus: die (Klischee-)Außenseiterin. Unterschiedlichste Kleidungsstile komplett wirr durcheinander 'kombiniert'. Die Haare ohne Schnitt, ca. schulterlang mit Mittelscheitel, die Farbe ein Gemisch aus rot-orange und schlamm. Ihr Gesicht zeichnet keine wirklichen Besonderheiten aus.

Doch dann entdecke ich eine Gemeinsamkeit und sie ähnelt mir somit mehr als ich erst dachte.
Sie liest ein Buch - leider konnte ich wieder nicht entdecken, welchen Titel es trägt, aber das ist vielleicht auch nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass man die komplette Geschichte in ihrem Gesicht ablesen konnte. Und das hat sie mit mir gemeinsam. Sie war so dermaßen von der Geschichte gefesselt - sie biss sich auf die Unterlippe, die Augen flogen schneller über die Zeilen. Die Spannung der Geschichte spiegelte sich in ihren Augen. Später grinste sie etwas. Dann immer mehr. Bis man ihre ganze Zahnreihe sehen konnte. Und die Augen strahlten. Und das mache ich auch. Ich lache auch mal total los, egal ob ich alleine Zuhause bin oder in der überfüllten S-Bahn. Wenn mich etwas berührt, dann kann ich es nicht verbergen - und will es auch garnicht.

Und so habe sie doch gefunden - die Besonderheit in ihrem Gesicht, die ich anfangs vergeblich gesucht habe. So unverwechselbare Kleinigkeiten, die jemanden wirklich schön machen. Ihre wunderschön für sich sprechende Mimik.

Und eigentlich wollte ich diese kleine Beobachtung hiermit abschließen, aber ich kann diesen wichtigen Teil oben nicht mit einbringen, will ihn aber unbedingt noch loswerden:
Als sie aufsteht, um auszusteigen - nichts von dem unscheinbaren Wesen, wie ich sie vorher eingeschätzt habe. Nein, mit geradem Rücken und richtig mit Ausstrahlung. Und vorallem mit Selbstsicherheit - sie trägt ihre Kleidung mit soviel Selbstbewusstsein, dass ich sofort weiß, dass sie sie so trägt, weil sie diese bewusst so zusammen angezogen hat - und absolut nichts in der oben genannten Schublade zusuchen hat.

4 Kommentare:

  1. sehr schön geschriebener text :) hat mich auch zum lächeln gebracht. =)

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  2. wow. du hast eine super menschenkenntniss und deine geschichten sind sehr toll. ♥ :)

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  3. wirklich schön geschrieben :)

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Danke dir ♥.